Vom Auslassen der Zimmerreinigung bis zum Anlegen von Wäldern

In den meisten Hotels entscheidet sich Nachhaltigkeit in den kleinen, sich wiederholenden Momenten.
Nicht in einem Grundsatzpapier. Nicht auf einem Poster im Hinterzimmer.

Dies zeigt sich in operativen Entscheidungen, an denen Gäste tatsächlich ohne Reibungsverluste teilnehmen können.
Eines der einfachsten Beispiele ist auch eines der effektivsten: Gästen die Möglichkeit zu geben, während ihres Aufenthalts auf die Zimmerreinigung zu verzichten, und diese Entscheidung in etwas Greifbares umzuwandeln.

Hotels for Trees wurde nach diesem Prinzip entwickelt.
Gäste können sich dafür entscheiden, auf eine Reinigung ihres Zimmers zu verzichten, und im Gegenzug wird in ihrem Namen ein Baum gepflanzt.
Das Konzept ist einfach, leicht zu erklären und auf den Rhythmus eines echten Hotels zugeschnitten.

Was das Konzept interessant macht, ist nicht nur das Ergebnis für die Umwelt.
Es ist die Tatsache, dass die Initiative einen bestehenden Hotelmoment nutzt und ihn in eine positive Aktion verwandelt, ohne den Aufwand für den Gast oder das Team zu erhöhen.

Wie das Konzept in der Praxis funktioniert

In der Praxis ist die Idee hinter „Hotels for Trees“ ganz einfach.

In vielen Hotels wird die Zimmerreinigung ausgelagert oder pro Aufenthalt organisiert.
Jede Reinigung ist mit Kosten verbunden, die je nach Unterkunft, Zimmertyp und lokalem Markt oft zwischen acht und zwölf Euro liegen.

Wenn ein Gast beschließt, während eines mehrtägigen Aufenthalts auf die Reinigung zu verzichten, fallen diese Kosten nicht an.
Im Laufe mehrerer Tage summieren sich die Einsparungen.
Anstatt in den Betrieb zu fließen, wird ein Teil dieser Einsparungen dafür verwendet, im Namen des Gastes einen Baum zu pflanzen.

Die Wahl selbst ist bewusst einfach gehalten.
In einigen Hotels geben die Gäste ihre Präferenz mit einem speziellen Türhänger an.
In anderen wird die Entscheidung bereits beim Online-Check-in über das Property Management System angeboten.
So oder so, der Moment bleibt vertraut.
Die Gäste werden nicht aufgefordert, ihr Verhalten zu ändern, sondern nur, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Aus Sicht des Hotels ist das Modell mit geringem Risiko verbunden.
Wenn ein Gast die Reinigung nicht überspringt, passiert nichts.
Es gibt keine Verpflichtung, keine Vorabzusage und keinen Druck, über das hinaus teilzunehmen, was für die Unterkunft angemessen erscheint.

Diese Einfachheit ermöglicht die Skalierbarkeit des Konzepts.
Es fügt sich nahtlos in den täglichen Hotelbetrieb ein, ohne zusätzliche Schritte oder Mehrarbeit für das Housekeeping- oder Front-Office-Team zu verursachen.

Warum Glaubwürdigkeit in Sachen Nachhaltigkeit wichtig ist

Mit der zunehmenden Verbreitung von Nachhaltigkeitsinitiativen hat auch die Skepsis zugenommen.

Gäste und Hotelteams haben gelernt, vernünftige Fragen zu stellen.
Where are the trees planted?
Are they actually planted?
And what happens to them after the photo moment is over?

Hotels for Trees hat sich bewusst dafür entschieden, diese Fragen direkt anzugehen.

Anstatt sich allein auf das Volumen zu konzentrieren, legt die Initiative den Schwerpunkt darauf, Bäume zu züchten und nicht nur zu pflanzen.
Die Bäume werden unter Berücksichtigung der lokalen Artenvielfalt gepflanzt, wobei Monokulturen vermieden und die ökologischen Gegebenheiten jedes Projekts berücksichtigt werden.
Wo immer möglich, erfolgt die Pflanzung gemeinsam mit den lokalen Gemeinden, damit die Bäume Teil einer langfristigen Landschaftsgestaltung werden und nicht nur eine kurzfristige Geste bleiben.

Um diesen Ansatz zu unterstützen, arbeitet Hotels for Trees mit etablierten Partnern wie Trees for All (
) zusammen, die bei der Beschaffung von Land, der Auswahl geeigneter Arten und der langfristigen Pflege der Projekte helfen.
Das Ziel ist nicht, die günstigste Option zu finden, sondern eine glaubwürdige.

Dieser Fokus auf Transparenz zeigt sich auch in der Einbindung von Hotels und Gästen.
Im Rahmen von Pflanztagen sind Hotelteams eingeladen, sich selbst ein Bild von den Projekten zu machen.
Sie pflanzen gemeinsam Bäume, nehmen am Prozess teil und bauen eine greifbare Verbindung zu den Auswirkungen auf, die durch die täglichen Entscheidungen der Gäste entstehen.

Diese Sichtbarkeit ist wichtig.
Sie verwandelt eine abstrakte Idee in etwas Reales und stärkt das Vertrauen in einem Bereich, in dem Glaubwürdigkeit unerlässlich ist.

Die Perspektive eines Hoteliers, keine Start-up-Geschichte

Die Idee hinter „Hotels for Trees“ stammt nicht von außerhalb der Branche.

Es entstand aus jahrelanger Erfahrung in Hotels, in Eröffnungsteams und in operativen Führungspositionen in verschiedenen Ländern und Marken.
Der Initiator Floris Licht hat seine Karriere im Gastgewerbe lange vor der Gründung von Hotels for Trees aufgebaut.

Nach seinem Abschluss an der Hotelfachschule in Den Haag nahm er am Managemententwicklungsprogramm „
“ von Hilton teil, das ihn in Städte wie London, Frankfurt und Adelaide führte.
Diese Jahre prägten nicht nur sein Verständnis für den Hotelbetrieb, sondern auch dafür, wie sich Kultur, Führung und Gasterwartungen in den verschiedenen Märkten unterscheiden.

Spätere Positionen bei Accor und Hilton brachten Erfahrungen in den Bereichen Hoteleröffnungen, General Management und dem Aufbau von Teams von Grund auf mit sich.
Nachhaltigkeit war bereits Teil dieser Arbeit und in die Gestaltung und den Betrieb der Immobilien integriert, anstatt als separates Thema behandelt zu werden.

Dieser Hintergrund erklärt den Tonfall von „Hotels for Trees“.
Es handelt sich nicht um eine Kampagne, sondern um eine operative Entscheidung, die sich nahtlos in die bereits bestehende Arbeitsweise von Hotels einfügt.
Der Fokus liegt auf Machbarkeit, Konsistenz und langfristiger Relevanz, nicht allein auf Sichtbarkeit.

Für Floris ist „Hotels for Trees“ keine Abkehr von der Gastfreundschaft.
Es ist vielmehr eine Erweiterung davon.

Warum Nachhaltigkeit zur Customer Journey passen muss

Damit Nachhaltigkeitsinitiativen in Hotels funktionieren, müssen sie die Gästeerfahrung berücksichtigen.

Gäste navigieren bereits durch Check-in, Zimmerzugang, Reinigungspräferenzen und Zahlungsabläufe.
Das Hinzufügen zusätzlicher Schritte oder moralischer Druck führen selten zu langfristigem Engagement.
Was funktioniert, ist das Anbieten einer klaren Wahl in einem bereits bestehenden Moment.

Aus diesem Grund lässt sich Hotels for Trees ganz natürlich in Hotelsysteme und -abläufe integrieren.
In einigen Unterkünften wird die Option, auf die Reinigung zu verzichten, beim Online-Check-in angeboten.
In anderen wird dies im Zimmer durch einen bekannten Türhänger kommuniziert.
In beiden Fällen wird die Entscheidung als Option und nicht als Verpflichtung dargestellt.

Technologie spielt hier eine unterstützende Rolle, keine führende.
Property Management Systeme und Housekeeping-Tools helfen Teams dabei, die Vorlieben der Gäste zu antizipieren und die Planung entsprechend anzupassen.
Die Entscheidung für Nachhaltigkeit wird Teil des Betriebsablaufs und nicht zu einem separaten Prozess, der verwaltet werden muss.

Dieser Ansatz spiegelt einen umfassenderen Wandel in der Hotellerie wider.
Nachhaltigkeit ist am effektivsten, wenn sie in das Erlebnis integriert ist und nicht zusätzlich hinzugefügt wird.
Die Gäste behalten die Kontrolle, die Teams behalten den Überblick und die Wirkung wächst mit der Zeit still und leise.

Von der individuellen Entscheidung zum kollektiven Einfluss

Was das Modell hinter „Hotels for Trees“ so effektiv macht, ist, dass es nicht auf große Gesten setzt.

Jede einzelne Entscheidung eines Gastes mag unbedeutend erscheinen.
Eine Zimmerreinigung überspringen.
Einen Baum pflanzen.
Für sich genommen ist die Wirkung gering.

Hotels arbeiten jedoch in großem Maßstab, und Konsistenz verändert die Gleichung.
Wenn Tausende von Gästen in Hunderten von Häusern dieselbe einfache Entscheidung treffen,
wird der kumulative Effekt sichtbar.
Nicht nur in der Anzahl der gepflanzten Bäume, sondern auch darin, wie Nachhaltigkeit von Gästen und Teams gleichermaßen erlebt wird.

Für Hotels schafft die Initiative eine positive Botschaft, ohne den täglichen Betrieb zu stören.
Für Gäste bietet sie eine konkrete Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten, ohne dass sie dabei auf Komfort oder Bequemlichkeit verzichten müssen.
Und für die Mitarbeiter verbindet sie die Routinearbeit mit einem übergeordneten Zweck, der über den einzelnen Aufenthalt hinausgeht.

Hier wird Nachhaltigkeit von einer Absicht zur Praxis.
Nicht als Statement, sondern als System.

Eine stille Veränderung in der Art und Weise, wie Hotels Wirkung erzielen

Der Gastgewerbebranche mangelt es nicht an Nachhaltigkeitsambitionen.

Was oft über den Erfolg entscheidet, ist, ob diese Ambitionen in alltägliche Entscheidungen umgesetzt werden, zu denen die Menschen immer wieder bereit sind.
Hotels for Trees zeigt, wie kleine operative Entscheidungen zu bedeutenden Ergebnissen führen können, wenn sie mit Sorgfalt und Glaubwürdigkeit getroffen werden.

Es ist nichts Radikales daran, die Zimmerreinigung auszulassen.
Der Unterschied liegt darin, wie dieser Moment genutzt wird, um Bewusstsein, Verbundenheit und langfristige Wirkung zu schaffen.

In einer Branche, die auf Wiederholung und Routine basiert, könnte genau dort der Beginn echter Veränderungen liegen.

Dieses Gespräch wurde von Arjan Eikelenboom moderiert, dem Gründer von GuestJourney.ai und Gastgeber von „The Future of Hospitality“, einer Plattform, die sich damit befasst, wie operative Entscheidungen die Zukunft der Gastronomie prägen.

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Hotels for Trees unterstützt aktiv den Übergang zu einem nachhaltigeren Hotelgewerbe weltweit.